Hartmut T. Reliwette
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H.T. Reliwette 1998     

B e u y s

Ich habe Dir einen Garten gemacht,
Freund,
ein Labyrinth aus Berberitzen
und Freunde haben mir dabei geholfen !
Verwandte Seele Du,
das oszillierende Prinzip
funktioniert noch immer nicht
im Bundestag,
denn niemand will Schüler sein ...
Das Denkmal, welches sie Dir
zu Deinen Lebzeiten errichtet haben,
hast Du dem jenseitigen Ufer verweigert,
die Nordsee hat Dich aufgenommen.
Nach dem Kommunismus
richtet nun auch der Kapitalismus
seine Füße nach der Decke aus:
In der Eiskellerstraße in Düsseldorf
habt Ihr die Tage gezählt
Was sind schon zwanzig Jahre ?
Solche Irrtümer können wir uns leisten !
Nein, sie wollen den Sozialismus nicht,
keine Gleichmache;
der Trabbi war ihnen nicht genug,
und in der Mauer war zuviel Beton !
Der Bürger leckt das Henkerseil !
Der organische Geldkreislauf
taugt nur fürs Museum ...
Eine neue Menschheitsidee
auf den Spuren Schillers
und Rudolf Steiners und
in Bienenhonig gegossen:
ein Fanal auf der Dokumenta,
dem Galeristentribunal !
Die Ideen schwinden mit den Guten,
nur Helmut bleibt (und jetzt Gerhard)
und legt mit den Arbeitslosen zu;
ach, wer da mitreisen könnte
in lauschiger Mittsommernacht !
Stachelige Berberitze im Labyrinth des Lebens,
der Theaterplatz lässt grüßen !
Die Free international University
hat ihre Pforten geschlossen,
Hölderlin schläft tief und fest ...

Es ist nicht heilig, das Herz, nicht schöneren Lebens voll,
aber es achtet noch immer der Knecht den Gewaltsamen,
und der Menge gefällt, was auf dem Marktplatz taugt !
Heilig, lieber Hölderlin, sind nicht einmal die Heiligen !


1981: "Beuys und Reliwette im Gespräch"
Foto: Jürgen Leiendecker, Essen