Hartmut T. Reliwette
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dtp   (der traurige Poet)

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Textauswahl:

aus Gelsenkirchen
Jahrg. 1966, ledig.

eMail: dtp@mailueberfall.de






Wie Kinder

Wir waren wie Kinder ...
sahen die Welt mit großen Augen
waren wie kleine Wellen
im großen Ozean des Lebens

Wir waren wie Kinder ...
zählten die Sterne am Himmel
waren wie kleine Wolken
im warmen Sonnenstrahl am Horizont

Wir waren wie Kinder ...
legten kleine Feuer der Liebe
waren wie kleine Herzen
im bunten Traum der Sehnsucht

Wir waren wie Kinder ...
hörten die Zeichen der Zeit
waren wie kleine Melodien
im Schweigen der Angst

Wir waren wie Kinder ...
verschenkten den Tag an Märchen
waren wie kleine Lichter
in der Straße der Dunkelheit

Wir waren wie kinder ...
versuchten das Glück in der Sucht
waren wie kleine Blumen
in der Tiefe des Verlangens

Wir waren wie Kinder ...
zerbrachen die Zukunft in der Flucht
waren wie kleine Diebe
im kalten Grab der Erwachsenen

Wir waren wie Kinder ...
verloren die Sehnsucht in der Norm
waren wie kleine Steine
in der Mauer der Vergangenheit

Wir waren wie Kinder ...
weinten dem Regen die warmen Perlen
waren wie kleine Blitze
im Gewitter der Hilflosigkeit

Wir waren wie Kinder ...
verkauften dem Teufel die Hölle
waren wie kleine Engel
im goldenen Käfig der Realität

Waren wie Kinder ...
starben im Staub des Nichts
waren wie kleine Schneeflocken
im kalten Wind des Todes

(dtp 1989)





TraumTänzerTränen

Feucht glätten sie
das faltenzerfurchte Gesicht
mit nicht in die Jahre
gekommener Reinheit.

Lebensgegensätzlich glanzvoll
das Salz des Ozeans allen Lebens verloren
legen sie sich bitter wie eine Maske
über vergessenes Lächeln.

In Ihnen gefangene Sehnsucht
schleicht aus gebrochenen Augen
Realitäten widerspiegelnd
stürzen sie vom ehemals stolzen Kinn
zu Boden.

Aus Kinderaugen geboren
sind mit der Zeit Träume in Ihnen ertrunken
Einsamkeit hängte sie schweigend an Wimpern
um letzte Gefühle auszutrocknen
verdunsten schließlich blind
im Tod.

(dtp 1998)





Seidenaugenblicke

Warum tragen wir
faltige Kleider -
Schleier der Vergangenheit ?

Schwere Kettenhemden
verpasster Chancen -
welche Wunden
nicht kühlen ?

Verstecken uns in
alten Lumpen -
zerrissener Träume
und grauem Schmerz ?

Hängen uns die Fahne
unerfüllter Sehnsüchte -
dem Banner tränengetränkter
Hoffnungen
um ?

Wir sollten
nackt sein ,
nur von Liebe
gewärmt -
das Herz
mit Wahrhaftigkeit
gekleidet - um

vom Brautkleid
des Glückes
umhüllt
zu werden !

(dtp 2001)





Musenerwachen

Weitferner Tränenblick
der Träume schaut ,
berührungsmüde Sehnsuchtshaut
die Regen sehnt ,
melodietaubes Einsamkeitsherz
das Flüstern erwartet ,
versprechensstumme Rosenlippen
die antwortgeschlossen ,
zukunftshoffende Vergangenheitsseele
welche Gegenwart wartet -

ohne Dich
bleibe ich
weiter Dichter -
kannst Du
Muse sein -
ohne mich ?

by dtp 02.11.2003





wann ? - wenn nicht jetzt !

Irgendwann steh ich auf ,
um ein Zeichen zu setzen -
ich tauche kurz auf ,
um wieder unter zu gehen -
mach mich krumm ,
um Geradeaus zu sein -
werde meine Meinung sagen ,
ganz und gar verschwiegen -
werde mit meiner Verschlossenheit ,
völlig offen sein -
letztlich klar und deutlich ,
undurchschaubar bleiben -
werde wieder ganz mutig ,
ängstlich verbleiben -

was könnte ich
bewirken -

wäre ich schon morgen
kein ewig
Gestriger !?!

gewidmet meinem Vater.
dtp 04.11.2003





kleine Tränen

Kleine Tränen -
glitzernd wie Eiskristalle,
tropfen leise wie Perlen,
liegen wie funkelnde Sterne,
eingebettet in Deinen Augen.

Kleine Tränen -
wie Diamanten auf Seide,
rollen sie über Deine Haut,
gleichen Seifenblasen voll Träume,
legen warme Seen in Deine Grübchen.

Kleine Tränen -
klar wie der Morgentau,
benetzen Deine Wimpern,
Sonnenstrahlen brechen sich in ihnen -
erhellen und streicheln Dein Lächeln.





Karnevalsvers zur Unzeit

Ein Moloch jetzt am Himmel steht,
der Wahlkampf dumpf herüber weht:
Stoiber, Schröder und "Kohorten"
sparen nicht mit starken Worten
Die Bild lässt es sich gar nicht nehmen
und füttert mit besondren Themen
vereint das Volk zu einem Ziel
und treibt damit ein böses Spiel,
bestimmt - wer Buhmann oder Held,
lanciert wer aufsteigt oder fällt:
der "Simpel" liest das geile Blatt
und wird von dummen Sprüchen satt!
Was hatte man aus Langeweile
so manchen "Helden" in der Zeile ...
ob Schröder seine Haare färbt,
ob Stoiber seine Rechte erbt,
dass Mette einen Hitzebrand
und Effe Strunzes Frau gekannt,
Ferrarris übles Possenspiel
sei jedem Wettbüro zuviel..
Dem Leser scheint's nicht einerlei,
der lebt von dem Gedankenbrei
und greift anstatt zu unbequemen
viel lieber zu Verdrängungsthemen!
So kann man nicht ein Volk vereinen,
Dank Bild sich eine Meinung meinen:
Ein Mensch bleibt weiterhin gedummt,
wenn er sich eine Meinung pumpt ...

Coproduktion: dtp / Reliwette
Pfingstmontag, 20. Mai 2002
frei nach Wilhelm Busch